In dem Instandhaltungszentrum Ptuj wurden die ersten Vollradwechsel an Stadler-Triebzügen erfolgreich durchgeführt. Es handelt sich um einen anspruchsvollen und technisch sehr spezifischen Arbeitsprozess, der einen wichtigen Schritt bei der Instandhaltung der neuen Generation von Schienenfahrzeugen sowie einen bedeutenden Entwicklungsschritt für die Instandhaltungstätigkeit in Ptuj darstellt.
Derzeit werden überwiegend Triebräder ausgetauscht, da diese aufgrund der höheren Beanspruchung schneller verschleißen als die Laufräder. Das wichtigste Kriterium für den Austausch der Vollräder sind der Verschleiß und der Zustand der Lauffläche. Je nach Verschleiß der Triebräder werden die Vollradscheiben an zwei oder an allen vier Radsätzen ausgetauscht.
Eine Besonderheit der Stadler-Triebzüge ist die Demontage der Drehgestelle und Radsätze, wodurch sich die Arbeiten deutlich von denen an klassischen Y-Wagen und den Wegmann-Drehgestellen der Bauarten 25 und 26 unterscheiden. Das Aus- und Einbauen der Radsätze erfordert ein hohes Maß an Präzision, Spezialwerkzeuge sowie die koordinierte Zusammenarbeit mehrerer Fachteams. Da für die Durchführung der Arbeiten der gesamte Triebzug angehoben werden muss, wurden spezielle Spindelhubanlagen beschafft, die ein synchrones Anheben des gesamten Fahrzeugs ermöglichen.
Im Zuge des Vollradwechsels müssen auch die CTBU-Lager demontiert und ausgetauscht werden. Eine weitere Besonderheit der Instandhaltung von Stadler-Fahrzeugen besteht darin, dass sich die Instandhaltungsverfahren der Baureihen 313, 510 und 610 sowie die Aufarbeitungsverfahren für Triebradsätze und Laufradsätze unterscheiden. Die Radsätze unterscheiden sich hinsichtlich des Laufflächendurchmessers, der Achsen (bzw. des Achsmaterials), der Fahrzeugbaureihe, der Länge sowie der jeweiligen Arbeitsabläufe.
Um den Radsatzwechsel an Stadler-Triebzügen in Ptuj durchführen zu können, mussten im Rahmen des Projekts außerdem spezielle Werkzeuge, Vorrichtungen sowie Spindelhubanlagen für das Anheben kompletter Triebzüge und deren synchronen Betrieb beschafft werden. Die Investition in die neue Ausrüstung stellt eine bedeutende Erweiterung der technischen Kapazitäten des Instandhaltungszentrums Ptuj dar und ermöglicht künftig die Durchführung noch anspruchsvollerer Instandhaltungsarbeiten.
Der nächste wichtige Schritt ist die Aneignung des Fachwissens und der Technologie für die Aufarbeitung von Drehgestellen an Stadler-Fahrzeugen. Dadurch werden die fachlichen Kompetenzen der Mitarbeitenden weiter gestärkt und das Spektrum der Instandhaltung moderner Schienenfahrzeuge zusätzlich erweitert.
